Nichts verschenken die Deutschen lieber als Gutscheine. Den Handel freut das vor allem aus einem Grund.

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Wenn der liebe Partner schon immer davon geträumt hat, Pilot zu werden, in Wirklichkeit aber nicht einmal in der obersten Büroetage arbeitet, dann wird es Zeit für ein besonderes Geschenk: zum Beispiel einen Gutschein über eine Stunde im Flugsimulator. Dort kann der Gatte die Illusion ausleben, einen A320 zu steuern oder einen A380 in der Schwebe zu halten. Als Dreingabe erhält der Möchtegernpilot danach ein Erinnerungsfoto oder eine DVD vom eigenen Simulationsflug. „Frauen beschenken oft das Kind im Manne“, heißt es von Jochen Schweizer, dem deutschen Marktführer für sogenannte Erlebnisgeschenke. Der Gutschein für einen Simulationsflug mit dem A320 ist für 159 Euro zu haben, für den A380 kostet er 425 Euro. Teurer und spektakulärer ist es, eine halbe Flugstunde in einem echten Kampfjet L-39 zu buchen. Wer Tiefflüge, Loopings und Nervenkitzel über Paris verschenken will, muss 2799 Euro berappen. Immerhin: Die Versicherung ist inklusive.

Gutscheine sind längst nicht mehr nur Geschenke, die vor Weihnachten, Geburtstagen oder anderen Anlässen auf den letzten Drücker gekauft werden. Sondern sie werden oft wohlüberlegt ausgesucht, um dem Partner, der scheinbar schon alles hat, eine besondere Freude zu machen. Das Gute an Gutscheinen ist, dass sie flexibel einsetzbar sind: Der Beschenkte kann damit anstellen, was er will. Kein Wunder, dass Gutscheine oder Bargeld von Ökonomen wie Joel Waldfogel als beste aller möglichen Geschenke gepriesen werden. Parfüm, Kleidung oder irgendwelchen Nippes zu verschenken, was entweder nicht gewollt oder nicht gebraucht wird, sei eine ineffiziente Art der Bescherung. Effizient dagegen ist, wenn der Beschenkte die Möglichkeit bekommt, selbst zu entscheiden, was er für Geld oder Gutschein kauft.

„Krimi-Dinner oder Sushi-Kochkurs“

Demzufolge verhalten sich die Deutschen geradezu vorbildlich. Werden sie danach gefragt, was sie am liebsten verschenken, dann liegen Gutscheine stets weit vorne. Laut der Beratungsgesellschaft EY geben die Deutschen an diesem Weihnachten im Schnitt 72 Euro für Geschenkgutscheine aus, sechs Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als doppelt so viel wie für Bücher und fünfmal so viel wie für Schmuck. Vor allem Großeltern gingen immer mehr dazu über, Gutscheine als sogenannte Geldersatzmittel zu verschenken und damit Irritationen zu vermeiden. „Opas Geschenkvorstellungen haben mit denen des Enkels kaum noch etwas gemein“, sagt EY-Fachmann Thomas Harms. Bevor es also unterm Weihnachtsbaum zu langen Gesichtern kommt, wird lieber ein vielfältig nutzbarer Gutschein verschenkt. Folgt man allerdings der Umfrage der Beratungsgesellschaft Deloitte, dann übersteigt das Angebot an Heiligabend die Nachfrage: 33 Prozent der Deutschen wünschen sich einen Gutschein, aber 40 Prozent wollen einen verschenken.

In großer Mehrheit sind es Frauen, die einen Erlebnisgutschein kaufen und verschenken. Sie machten sich mehr Gedanken und seien kreativere Schenker, behaupten Händler. „Vor allem verschenken Frauen häufig Erlebnisse, die man zu zweit erleben kann. Beispielsweise ein Krimi-Dinner oder einen Sushi-Kochkurs“, sagt Christian Bücherl, Chef des Portals Erlebnisgeschenke.de. Selbst wenn die Frauen eine Flugstunde im Simulator verschenken, sind sie oft dabei und schauen zu, wie der werte Gatte Steuerknüppel und Knöpfe betätigt.

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